Institut für Klinische Transfusionsmedizin und Hämotherapie
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Direktor
Prof. Dr. med. Markus Böck
Universitätsklinikum Würzburg
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Vorlesung Transfusionsmedizin


Herstellung

SD-GFP

Herstellung / Indikation von Gefrorenem Frischplasma (GFP)



Gefrorenes Frischplasma darf nicht sofort nach Herstellung an Patienten transfundiert werden. Es muss vorher einem Verfahren zur Reduktion des Infektionsrisikos unterzogen werden. Neben der Quarantänelagerung gibt es die Möglichkeit, das Plasma einem sog. Solvent-Detergent (SD)-Verfahren zu unterziehen. Dieses Verfahren wurde in den 90iger Jahren entwickelt; man nennt es nach seinem Entdecker auch „Horowitz-Verfahren“.

Hierbei werden 1500 – 2000 tiefgefrorene ABO-blutgruppenidentische Plasmen rasch aufgetaut und in einem großen Behälter gepoolt. Anschließend wird TNBT (Tri-N-Butylphosphat) und Triton X 100 bis zu einer Endkonzentration von jeweils 1% (v/v) zugegeben. Nach einer Inkubationszeit von 4 h bei 30 °C wird das TNBT sowie das Triton X 100 mechanisch und chromatographisch entfernt. Der Pool wird in Plasmen a 200 ml aufgeteilt und diese werden erneut tiefgefroren. Diese Plasmen können dann zur Transfusion freigegeben werden.

Dahinter steckt folgende Überlegung:
Viele Viren besitzen eine Lipidhülle (z.B. HIV, Hepatitis B). TNBT und Triton X 100 stellen eine Art „Seife“ dar, welche diese Lipidhüllen zu zerstören vermag. Durch die genannte Prozedur werden also alle Viren zerstört, welche eine Lipidhülle besitzen. Daher ist eine Übertragung von HIV oder Hepatitis B durch SD-Plasma nahezu ausgeschlossen.

Aber: Viren, welche keine Lipidhülle tragen (z.B. Hepatitis A, Parvovirus B19) werden durch dieses Verfahren nicht abgetötet. Ist eines der 1500 – 2000 Spenderplasmen, welche in den Pool eingehen, mit einem dieser Viren infiziert, so sind anschließend vermutlich viele aus diesem Pool gewonnenen Plasmen infektiös. Dies stellt potentiell ein hohes Risiko dar. Daher werden von der Industrie, welche diese Plasmen herstellt und vertreibt, die Spender sehr intensiv (z.B. mit PCR) auf Infektionen mit hüllenlosen Viren untersucht.
Trotzdem:
ein Risiko durch das Pooling bleibt, vor allem für infektiöse Agentien, welche wir noch gar nicht kennen oder auf die wir nicht testen können (z.B. Prionen).

Weiterhin muss bei der Verwendung von SD-Plasma bedacht werden, dass das Virusinaktivierungsverfahren zu einem Abfall einzelner Gerinnungsfaktoren auf bis zu 80% und zu einem teils deutlichen Abfall der Inaktivatoren des Gerinnungssystems (z.B. Alpha 2-Antiplasmin, Protein S) führt, so dass die Verteilung der einzelnen Gerinnungsfaktoren im SD-Plasma nicht mehr der physiologischen Situation entspricht. Ganz besonders niedrig ist der Gehalt an hochmolekularen Polymeren des Von-Willebrand-Faktors.

Als Vorteil des SD-Verfahrens muss angesehen werden, dass durch derartig behandelte Plasmen offensichtlich kein TRALI (Transfusions- assoziierte Lungenisuffizienz) ausgelöst werden kann. Jedenfalls ist eine solche Nebenwirkung bisher nicht beschrieben.