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Institut für Klinische Transfusionsmedizin und Hämotherapie
Oberdürrbacher Str. 6
97080 Würzburg
transfusionsmedizin@ukw.de

DIE BLUTTRANSFUSION

Konservenkühlschrank

Wie funktioniert das ?  

 

 

 

„Blut ist ein besonderer Saft“ hat bereits Goethe in seinem Faust gesagt und damit hat er sicherlich nicht unrecht. In den Blutgefäßen eines jeden erwachsenen Menschen zirkulieren ca. 5 – 7 l dieses Saftes, der sich aus einer Vielzahl von unterschiedlichen Zellen und Substanzen zusammensetzt. Alle diese erfüllen wichtige Aufgaben bei der Erhaltung des Lebens und arbeiten in einem perfekt ausgeklügelten System zusammen.

Da Blut einen lebenswichtiger Bestandteil des Menschen darstellt und man ohne genügend Blut nicht überleben kann, hat die Natur bereits optimal gegen Verluste vorgebeugt. Zum einen hat jeder gesunde Mensch viel mehr Blut als er eigentlich benötigt, so daß er einen gewissen Verlust schadlos überstehen kann. Zum anderen versucht der Organismus bei einem chronischen Verlust (z.B. bei manchen chronischen Magengeschwüren) diesen durch eine vermehrte Neubildung auszugleichen. Obwohl diese Kompensationsmechanismen gut funktionieren, gibt es natürlich eine Grenze, ab der auch sie versagen. Beispielsweise kann ein schwerer Blutverlust bei einem Unfall oder bei einer großen Operation oder auch eine krankhaft verminderte Neubildung von Blut nicht immer vom Organismus ausgeglichen werden. In diesem Falle muß Blut transfundiert werden, damit der Patient keinen Schaden erleidet.

Obwohl seit vielen Jahren Anstrengungen unternommen werden, menschliches Blut durch künstliche Medikamente zu ersetzen, ist dies bis heute immer noch nicht befriedigend gelungen. Zwar können einzelne Substanzen des menschlichen Blutes (z.B. manche Gerinnungsfaktoren) inzwischen gentechnologisch hergestellt werden und sind auch schon als Medikamente im Einsatz; zelluläre Blutbestandteile wie rote Blutkörperchen (Erythrozyten) oder Blutplättchen (Thrombozyten) oder auch die Blutflüssigkeit (Plasma) kann man aber nicht künstlich herstellen. Deshalb ist man vor allem dann auf das Blut von Blutspendern angewiesen, wenn diese Bestandteile ersetzt werden müssen.

 

Welche Arten der Bluttransfusion gibt es ?

Früher konnte man nur sogenanntes Vollblut transfundieren. Hierzu wurde dem Blutspender Blut entnommen, in bestimmten Lösungen für einige Wochen konserviert und dann in toto dem Patienten transfundiert. Eine Auftrennung in bestimmte Blutbestandteile fand nicht statt. Dies hatte den Nachteil, daß der Patient immer alle Blutbestandteile erhielt, auch wenn er nur einige davon (z.B. Erythrozyten) benötigte.

Heute ist man hier viel weiter. Man transfundiert dem Patienten nur die Blutbestandteile, die er wirklich benötigt (Hämotherapie nach Maß). Daher werden die entnommenen Vollblutkonserven heute durch spezielle Techniken in verschiedene Bestandteile aufgetrennt (z.B. Erythrozyten, Thrombozyten, Plasma) und der Patient erhält nur die benötigten Anteile. Es gibt auch spezielle Spendearten, bei denen jeweils nur eine Zellart oder selektiv Plasma gewonnen wird.

Man unterscheidet also heute zwischen einer Transfusion von Erythrozyten, Thrombozyten oder Plasma. Selbstverständlich ist auch eine Transfusion von mehreren dieser Bestandteile möglich, wenn der Patient sie benötigt. Aus Spenderplasma können sogar noch eine ganze Reihe weiterer Substanzen isoliert werden, die dem Patienten dann selektiv transfundiert bzw. infundiert werden können (z.B. Immunglobuline, Gerinnungsfaktoren, Humanalbumin).

Ist eine Bluttransfusion nicht sehr riskant für den Patienten ?

Wie jede medizinische Maßnahme ist auch eine Transfusion von zellulären Blutkonserven oder anderen Blutbestandteilen nicht ganz ohne Risiko. Hierzu gehört beispielsweise die Übertragung bestimmter Infektionserkrankungen wie AIDS oder Hepatitis. Obwohl bei der Gewinnung von Blutkonserven und Blutbestandteilen größte Sorgfalt darauf verwandt wird, daß derartige Erreger im Spenderblut erkannt werden und hier strenge gesetzliche Vorschriften herrschen, ist dies nicht mit 100%iger Sicherheit auszuschließen. Aber im Verhältnis zu früher ist die Wahrscheinlichkeit, sich durch eine Blutkonserve zu infizieren, doch sehr gering geworden. Wie hoch diese Wahrscheinlichkeit tatsächlich ist, hängt vom jeweiligen Erreger ab. Bei dem HI-Virus, dem Erreger von AIDS, liegt die Wahrscheinlichkeit in Deutschland unter 1 zu 4 Millionen. Ähnlich unwahrscheinlich ist die Übertragung von Hepatitis. Die Wahrscheinlichkeit einer Hepatitis B-Infektion durch eine Blutkonserve beträgt etwa 1:260 000, die einer Hepatitis C-Infektion ist kleiner als 1:4 Millionen. Bezogen auf die Situation am Universitätsklinikum Würzburg bedeutet dies, daß statistisch gesehen beispielsweise eine HIV-Übertagung nur ca. alle 140 Jahre einmal vorkommt.

Neben der Übertragung von Infektionskrankheiten gibt es auch noch andere Nebenwirkungen der Bluttransfusion, die jedoch alle nicht sehr häufig sind. So gibt es u.a. Unverträglichkeitsreaktionen, allergische Reaktionen oder es kann Fieber oder Schüttelfrost auftreten. Natürlich können an dieser Stelle nicht alle denkbaren Nebenwirkungen genannt werden. Insgesamt gesehen gilt, daß eine Bluttransfusion wie alle medizinischen Maßnahmen nicht ganz risikolos ist, daß übertriebene Angst davor aber auch nicht gerechtfertigt ist. Falls bei Ihnen eine Bluttransfusion ansteht, sollten Sie unbedingt mit Ihrem behandelnden Arzt darüber sprechen; er kann Sie am besten über die Notwendigkeit, den Nutzen und die Risiken aufklären.