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Institut für Klinische Transfusionsmedizin und Hämotherapie
Oberdürrbacher Str. 6
97080 Würzburg
transfusionsmedizin@ukw.de

AUFGABEN

Wofür wir zuständig sind

Blutspende

Das Institut versorgt das gesamte Universitätsklinikum Würzburg mit Blut und Blutprodukten. Ein großer Teil dieser Blutkonserven wird im Institut für Klinische Transfusionsmedizin und Hämotherapie selbst gewonnen, wobei ein ganz besonderer Schwerpunkt in der Herstellung von Thrombozytenkonzentraten liegt. Aber auch andere Blutprodukte wie Plasma oder Erythrozytenkonzentrate werden hergestellt.

 

Spezialpräparate

Spezialpräparate-Labor
Spezialpräparate-Labor

Manche schwerkranke Patienten benötigen Spezialpräparate, die nur für sie hergestellt werden. Hierzu gehören z.B.Erythrozytenkonzentrate, Plasma oder Thrombozytenkonzentrate für früh- und neugeborene Kinder, Präparate für Patienten mit speziellen Antikörpern, bestrahlte Präparate für Stammzell-transplantierte Patienten u.s.w. Diese Herstellung von „maßgeschneiderten“ Blutkonserven ist eine der wesentlichen Aufgaben des Instituts für Klinische Transfusionsmedizin und Hämotherapie.

 

Eigenblutspende

Für viele Patienten, die sich einer planbaren Operation unterziehen müssen, ist es möglich, für sich selbst Blut zu spenden. Das entnommene Blut kann bis zur Operation (max. 35 Tage) gelagert und dann zurück transfundiert werden. Bis zur Operation bildet der Patient das entnommene Blut neu, so daß für die Operation kein Nachteil durch die Blutspende entsteht. Dieses Vorgehen hat für die Patienten den Vorteil, daß sie ihr eigenes Blut erhalten; die Transfusion von fremden Blut kann so oft vermieden werden. Allerdings ist dies nicht bei jeder Operation und bei jedem Patienten möglich. Falls bei Ihnen eine Operation geplant ist und Sie wissen wollen, ob die Eigenblutspende auch für Sie in Frage kommt, sprechen sie mit Ihrem behandelnden Arzt. Am Universitätsklinikum Würzburg werden diese Eigenblutspenden durch das Institut für Klinische Transfusionsmedizin und Hämotherapie durchgeführt (s. auch Information für Eigenblutspender).

 

Herstellung von autologen Stammzellpräparaten

Stammzell-Lager
Stammzell-Lager

Viele Patienten mit bösartigen Blutkrankheiten oder anderen bösartigen Tumoren benötigen für ihre Heilung eine hochdosierte Chemotherapie. Da diese aber sehr toxisch für die Knochenmark- Stammzellen ist (aus denen alle Blutzellen gebildet werden), kann man vor der Chemotherapie aus dem Blutkreislauf der Patienten einen Teil dieser Stammzellen gewinnen, bei ca. – 140°C in Behältern mit flüssigem Stickstoff lagern und nach der Chemotherapie dem Patienten wieder zurück transfundieren (so werden diese Zellen nicht durch die Chemotherapie geschädigt). Die Stammzellen wandern nach der Transfusion in das Knochenmark des Patienten und können dort die Aufgabe der durch die Chemotherapie geschädigten Stammzellen übernehmen (autologe Stammzelltransplantation). Diese Therapiemethode wird bei erwachsenen Patienten am Universitätsklinikum Würzburg durch die Medizinische Klinik II in Kooperation mit dem Institut für Klinische Transfusionsmedizin und Hämotherapie durchgeführt. Während die Aufgabe der Medizinischen Klinik II vorwiegend in der Konditionierung und Transplantation der Patienten besteht, ist das Institut für Klinische Transfusionsmedizin und Hämotherapie in erster Linie für die Gewinnung und Kryokonservierung der Stammzelltransplantate verantwortlich.

 

Herstellung von allogenen Stammzellpräparaten

Neben der oben genannten „autologen Stammzelltransplantation“ (bei der die Patienten-eigenen Stammzellen verwendet werden), wird am Universitätsklinikum Würzburg auch die „allogene Stammzelltransplantation“ durchgeführt. Hierbei werden nach der Chemotherapie nicht die Stammzellen des Patienten, sondern diejenigen eines Spenders mit gleichen oder sehr ähnlichen Gewebemerkmalen transplantiert (z.B. eines Gewebemerkmals-gleichen Geschwisters). Auch hierbei arbeiten die Medizinische Klinik II und das Institut für Transfusionsmedizin sehr eng zusammen. Die Medizinische Klinik II ist für die Chemotherapie des Patienten, die Transplantation selbst und die Nachsorge verantwortlich, das Institut für Klinische Transfusionsmedizin und Hämotherapie für die Suche nach einem geeigneten Spender (s. HLA-Typisierung) innerhalb der Familie des Patienten, die Vorbereitung des Spenders, die Spende selbst und ggf. die anschließende Kryokonservierung der Präparate.



Therapeutische Apheresen

Entfernte Leukämiezellen
Entfernte Leukämie- zellen

Bei manchen Erkrankungen weiß man, daß sie durch einen Austausch der Blutflüssigkeit des Patienten (Plasma) gebessert werden können. Hierzu wird das Patienten-eigene Plasma aus dem Blutkreislauf des Patienten entfernt und durch Plasma von gesunden Blutspendern oder Plasmaersatzmitteln ersetzt. Bei einigen Patienten genügt es aber auch schon, nur einzelne Bestandteile des Blutplasmas oder bestimmte Blutzellen zu entfernen, um die Symptome zu verbessern. Man nennt diese Therapiemethode „therapeutische Apherese“. Hierfür verfügt das Institut für Klinische Transfusionsmedizin und Hämotherapie über 5 Behandlungsplätze, die speziell für diesen Zweck mit der erforderlichen Überwachungstechnik ausgestattet sind und auch Notfallbehandlungen ermöglichen.

 

Stammzellspender-Datei (NETZWERK HOFFNUNG)

Viele Patienten mit bösartigen Blutkrankheiten können nur durch eine Stammzelltransplantation geheilt werden. Hierfür benötigt man jedoch einen Stammzellspender, der in allen wichtigen Gewebemerkmalen mit dem Patienten übereinstimmt. Einen solchen Spender zu finden ist meist sehr schwierig, da die Gewebemerkmale eine unendliche Vielfalt aufweisen und nur sehr wenige Menschen miteinander übereinstimmen. Deshalb ist es wichtig, daß sich möglichst viele Menschen weltweit bereit erklären, ggf. für eine Stammzellspende zur Verfügung zu stehen und ihre Gewebemerkmale typisieren lassen; nur so gibt es oftmals eine Chance, für einen schwer kranken Patienten einen passenden Spender zu finden. Das Institut für Klinische Transfusionsmedizin und Hämotherapieie unterhält eine solche Spenderdatei (NETZWERK HOFFNUNG), deren Daten mit dem nationalen und internationalen Register in Ulm vernetzt sind; dadurch wird gewährleistet, daß die Daten der Spender von NETZWERK HOFFNUNG (in anonymisierter Form) weltweit zur Verfügung stehen und auch für Patienten aus anderen Ländern genutzt werden können. Die Datei, die nach den Kriterien der WORLD MARROW DONOR ASSOCIATION akkreditiert ist, arbeitet dabei sehr eng mit dem gemeinnützigen Verein " Hilfe für Anja e.V. " zusammen, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, möglichst viele Menschen als potentielle Stammzellspender zu gewinnen.

Blutdepot

Blutkonservenkühlschrank
Blutdepot

Das Institut für Klinische Transfusionsmedizin und Hämotherapie versorgt das gesamte Universitätsklinikum mit Blutkomponenten (z.B. Erythrozytenkonzentrate, Plasma, Thrombozytenkonzentrate). Viele dieser Blutkomponenten werden im Spendebereich selbst gewonnen, andere werden von überregionalen Blutspendediensten zugekauft. Pro Jahr werden am Universitätsklinikum Würzburg ca. 30 000 Blutkonserven transfundiert. Die Lagerung, Bereitstellung, Ausgabe, ggf. Rücknahme, Dokumentation usw. - kurz die gesamte Logistik dieser Blutversorgung - wird vom Institut für Transfusionsmedizin in seinem Blutdepot-Bereich gewährleistet.



Erythrozyten-serologische Untersuchungen

Im erythrozyten-serologischen Labor werden alle immunhämatologischen Untersuchungen der Universitätsklinik Würzburg durchgeführt. Hierzu gehört die Suche nach bestimmten Antikörpern im Blut der Patienten (z.B. bei schwangeren Frauen oder Empfängern von Blutkonserven) ebenso wie die Blutgruppenbestimmung und die Kreuzproben zur gefahrlosen Übertragung von Blutkonserven. Auch die Abklärung von immunhämolytischen Anämien erfolgt hier.

HLA-Typisierung

Das Institut verfügt über ein spezielles Labor zur Gewebetypisierung von Patienten (beispielsweise zur Vorbereitung einer Stammzelltransplantation) und von Personen, die sich als Knochenmarkspender oder Stammzellspender zur Verfügung stellen wollen. Zu den Aufgaben dieses Labors gehört auch die Suche nach Stammzellspendern mit passenden Gewebemerkmalen für die Patienten des Klinikums (s. Herstellung von Stammzellpräparaten). Aber auch zur Diagnostik verschiedener anderer Krankheitsbilder (z.B. M. Bechterew) ist eine HLA-Typisierung wichtig. Die Typisierung erfolgt vorwiegend molekulargenetisch (Klasse I und II-Merkmale). Seit 2005 ist das HLA-Labor des Instituts durch die EUROPEAN FEDERATION OF IMMUNOGENETICS akkreditiert und verfügt damit über einen auch international anerkannten Qualitätsnachweis.

Forschung und Lehre

Natürlich gehört die Ausbildung von Studenten sowie die Forschung zu den wichtigen Aufgaben des Instituts für Klinische Transfusionsmedizin und Hämotherapie. Neben einer ganzen Reihe von Spezialvorlesungen bietet das Institut im 8ten Semester eine Hauptvorlesung für die Studenten der Universität Würzburg an, in der die für die tägliche Praxis am Patientenbett wichtigsten Themen der Transfusionsmedizin besprochen werden. Die Inhalte dieser Hauptvorlesung werden in einer Semesterklausur geprüft.

Im Wintersemester 2006/2007 erhielt der Direktor des Instituts den Albert-Kölliker-Lehrpreis, der von der Medizinischen Fakultät der Universität Würzburg für besonderes Engagement für den studentischen Unterricht vergeben wird. Der Preis wurde anlässlich der Examensfeier am 30. Juni 2007 in der Neubaukirche der Universität Würzburg verliehen. Wer die Festrede über die historische Entwicklung der Transfusionsmedizin nachlesen will, kann das hier tun.

Falls Sie Näheres über die Studentenausbildung bzw. über den Forschungsbereich des Instituts für Klinische Transfusionsmedizin und Hämotherapie erfahren wollen, finden Sie entsprechende Informationen unter „Studenten“ bzw. „Forschung“.

 

Fort-und Weiterbildung

Das Institut für Klinische Transfusionsmedizin und Hämotherapie erfüllt vielfältige Fort- und Weiterbildungsaufgaben:

  • Eine wichtige Aufgabe ist die Weiterbildung von Ärzten zum „Facharzt für Transfusionsmedizin“. Der Direktor des Instituts besitzt hierfür die volle  Weiterbildungsermächtigung.

  • Darüber hinaus hospitieren immer wieder Ärzte aus anderen Fachrichtungen, die ihre Kenntnisse in der Transfusionsmedizin vertiefen wollen.

  • Zusätzlich führt das Institut regelmäßig (in Zusammenarbeit mit der Bayerischen Landesärztekammer) 16-stündige Fortbildungen für die Qualifikation zum Transfusionsverantwortlichen bzw. zum Transfusionsbeauftragten nach § 15 Transfusionsgesetz durch (falls Sie Fragen hierzu haben, wenden Sie sich bitte an den Direktor des Instituts, Tel. 0931/201- 31300, Fax: 0931/201-31376,
    E-Mail: boeck_m@ukw.de ).

  • Alle ärztliche Mitarbeiter transfundierender Fachgebiete, die neu am Klinikum der Universität Würzburg anfangen, müssen eine verpflichtende Fortbildung im Fachgebiet Transfusionsmedizin absolvieren. Diese Fortbildungen werden einmal monatlich vom Institut für Klinische Transfusionsmedizin und Hämotherapie im Rahmen eines Einführungstages für neue Ärzte durchgeführt.

  • Für die Mitarbeiter des Pflegedienst am Klinikum werden regelmäßig Fortbildungen in Form von Seminaren angeboten.

  • Darüber hinaus gibt es natürlich auch innerhalb des Instituts für Klinische Transfusionsmedizin und Hämotherapie für alle Mitarbeiter Forbildungsprogramme, die verpflichtend absolviert werden müssen.

 

Qualitätssicherung

Qualitätssicherung: Abbildung Titelblatt Selbstinspektionsbogen
Titelblatt Selbstinspektion

Eine wichtige Aufgabe des Instituts für Klinische Transfusionsmedizin und Hämotherapie ist die Qualitätssicherung der transfusionsmedizinischen Vorgehensweisen am Universitätsklinikum. Der Direktor des Instituts ist vom Vorstand des Klinikums zur „Transfusionsverantwortlichen Person“ (nach § 15 des Transfusionsgesetzes) bestellt; in jeder Klinik, in der Blutprodukte angewandt werden, wurde darüber hinaus mindestens ein Oberarzt zur „Transfusionsbeauftragten Person“ bestellt.

Transfusionsverantwortliche und Transfusionsbeauftragte Personen sowie weitere an transfusionsmedizinischen Aufgaben beteiligte Mitarbeiter des Klinikums (z.B. der Pflegedienstleitung, der Verwaltungsleitung, der Apotheke, der Arzneimittelkommission) bilden die Transfusionskommission. Diese tagt in regelmäßigen Abständen, in ihr werden wichtige organisatorische und fachliche Probleme besprochen und gelöst. Beispielsweise wurde von der Kommission ein Qualitätssicherungshandbuch erstellt, in dem alle wichtigen Vorgehensweisen, die mit der Bluttransfusion zu tun haben, genau beschrieben sind. So kann jeder Mitarbeiter genau nachlesen, was er zu tun hat und wofür er verantwortlich ist. Vorsitzender der Kommission ist der Direktor des Instituts für Klinische Transfusionsmedizin und Hämotherapie.

Darüber hinaus wurde ein ärztlicher Mitarbeiter des Instituts vom Vorstand des Klinikums als Qualitätsbeauftragte Person entsprechend den Richtlinien zur Gewinnung von Blut und Blutbestandteilen und zur Anwendung von Blutprodukten (Hämotherapie) bestellt. Ihm obliegt die Aufgabe, das Funktionieren des Qualitätssicherungssystems in der Hämotherapie für das gesamte Universitätsklinikum Würzburg zu überwachen und einmal jährlich der Bayerischen Landesärztekammer hierüber Bericht zu erstatten. Hierfür ist eine spezielle Zusatzqualifikation im Bereich des Qualitätsmanagements erforderlich. 

Darüber hinaus führen die Transfusionsbeauftragten Personen jeder Klinik in Zusammenarbeit mit der Qualitätsbeauftragten Person (s. oben) auf ihren Stationen regelmäßig sog. Selbstinspektionen durch. Dabei überprüfen sie zusammen mit den leitenden Pflegekräften, ob die Vorschriften des Qualitätssicherungshandbuches auch tatsächlich eingehalten werden. Die Ergebnisse werden auf speziellen Fragebögen dokumentiert, die vom Institut für Klinische Transfusionsmedizin und Hämotherapie statistisch ausgewertet werden. Dadurch wird die Qualität der transfusionsmedizinischen Versorgung am Klinikum regelmäßig überprüft.

Alle Nebenwirkungen, die im Zusammenhang mit der Anwendung von Blutprodukten am Klinikum auftreten, werden dem Institut für Klinische Transfusionsmedizin und Hämotherapie gemeldet. Dieses klärt die Ursachen der Nebenwirkung ab und führt eine Statistik darüber (Hämovigilanz-Programm). So ist es möglich, eine ungewöhnliche Häufung von auftretenden Nebenwirkungen sofort zu erkennen und darauf zu reagieren. Darüber hinaus berichtet das Institut regelmäßig der Transfusionsmedizinischen Kommission über die auftretenden Nebenwirkungen.

Für diese und viele andere Aufgaben in der Qualitätssicherung hat das Institut für Klinische Transfusionsmedizin und Hämotherapie ein eigenes “Büro Qualitätssicherung” eingerichtet. Sowohl der Direktor des Instituts als auch einige andere Mitarbeiter verfügen über eine spezielle Zusatzausbildung hinsichtlich ärztlicher Qualitätssicherung und sind zum Führen der Zusatzbezeichnung "Ärztliches Qualitätsmanagement" berechtigt. Dies alles trägt wesentlich dazu bei, dass die Anwendung von Blutprodukten am Klinikum der Universität Würzburg mit gleichbleibend hoher Qualität erfolgen kann und eventuell auftretende Probleme frühzeitig erkannt und gelöst werden.